Auch Opfer brauchen einen Anwalt vor Gericht

Jedes Jahr am 22. März stehen in Deutschland die Opfer von Kriminalität und Gewalt im Mittelpunkt. Die Medien zwischen Flensburg und Passau liessen es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, eindringlich auf die Situation von Opfern hinzuweisen und dem WEISSEN RING gelingt es sein vielen Jahren, diesem Tag durch seine Aktionen vor Ort und ausführlichen Pressegesprächen besonderes Gewicht zu verleihen. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr die Forderung nach einem Anwalt auf Staatskosten für alle schwer betroffenen Kriminalitätsopfer. Wer als Opfer eines Verbrechens vor Gericht seiner Zeugenpflicht nachkommen muss, verdient in ganz besonderem Maße Fürsorge und Schutz. Schwere psychische Belastungen, ausgelöst durch die erneute Konfrontation mit dem Täter und dem Tatgeschehen oder die Sorge vor Attacken seines Verteidigers lassen die Betroffenen nur zu oft ein zweites Mal Opfer werden. Während ein Beschuldigter einen Rechtsanspruch auf einen vom Gemeinwesen getragenen Pflichtverteidiger hat, bleiben die meisten Opfer auf sich alleine gestellt.
Den Forderungen des WEISSEN RINGS wurde bisher leider nur teilweise Rechnung getragen. So muss den Opfern von Sexualstraftaten, versuchten Tötungsdelikten und bei vollendeten Tötungsdelikten den Hinterbliebenen unabhängig vom Einkommen auf Antrag während des gesamten Verfahrens ein Anwalt im Rahmen der Nebenklage (Opferanwalt) zur Seite gestellt werden. Doch es ist nicht nachvollziehbar, warum Opfer schwerster Misshandlungen oder einer Entführung weiter um ihren Schutz über den Weg der Prozesskostenhilfte betteln sollen, obwohl sie beim Strafprozess ebenfalls erheblichen psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Die Ausweitung dieses notwendigen Persönlichkeitsschutzes schwer betroffener Opfer auch auf weitere Deliktsbereiche ist längst überfällig. Denn so bleiben wesentliche Teile der schweren Gewaltkriminalität ausgeklammert, insbesondere schwere Körperverletzung, Geiselnahme, erpresserischer Menschenraub, Raub, räuberische Erpressung und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer. Die Opferschutz-Organisation fordert deshalb, den Verweisungskatalog des § 397a, Abs. 1 Strafprozessordnung entsprechend zu ergänzen.


Dietrich Brandhorst
(unter auszugsweiser Verwendung eines Berichtes vom WEISSEN RING)