Realitätsnahe Selbstverteidigung über den Tellerrand geschaut - Teil 1

Am Samstag, 07.05.2016 fand beim Jiu Jitsu Fusegi Kröv/Mosel e.V. ein Seminar „Realitätsnahe Selbstverteidigung über den Tellerrand geschaut“ statt. Dieses wurde von Christian Schäfer, (6.Dan Kempo Jiu Jitsu und 5. Dan Jiu Jitsu, sowie zertifierter Therapeut für systematisches Konflikt- und Anti-Gewalt-Training) abgehalten. Verschiedenste Kampfkunst- und SV Trainer und auch Einsatztrainer der Polizei waren dort anwesend und gespannt auf das am Nachmittag nun folgende SV Seminar. Nach einem kurzen warm up ging es im wahrsten Sinne des Wortes ans Eingemachte. Neben den zunächst von Chris demonstrierten wichtigen Armpositionen und Abwehrhaltungen wurden neben den grundlegenden Abwehrtechniken wichtige non verbale und verbale Deeskalationsstrategien demonstriert und in Rollenspielen von den Teilnehmern umgesetzt. Chris ging hierbei ausführlich auf diesen doch wichtigen Part in den Konfliktphasen in der SV ein und demonstrierte dies dementsprechend. Ebenso wurde ausführlich auf die Thematik des Einsatzes der Faust in der SV eingegangen und dessen evtl. zu große Nachteile der Verletzung für den Verteidiger. Auf Grund dessen lag der Fokus der Abwehrtechniken auch auf dem sehr effektiv einzusetzenden Handballenstoß und dem Slap. Zunächst leicht anzusehen und auszuführen gab es doch Einiges, was Chris dort noch einmal eindrucksvoll an den Techniken perfektionierte, um diese schnell und effektiv einzusetzen. Dies wurde danach in speziellen Übungseinheiten und Rollenspielen und dem Einsatz von Pratzen geübt. Am geschützten Eingang ging es in der Nahdistanz mit dem Cover Crash Counter weiter. Hier konnte ebenfalls eindrucksvoll die Wucht, die doch hinter dieser Stoßtechnik steht, von Chris demonstriert werden. Im vertikalen Clinch wurde danach weiter gearbeitet, was den doch größtenteils Anwesenden aus dem Jiu-Jitsu stammenden Trainierenden natürlich entgegenkam. Auch dort gab Chris und auch ein teilnehmender Einsatztrainer der Polizei einige wertvolle Lösungsansätze in dieser Situation. Nach Abschluss der eigentlich grundlegenden Abwehrtechniken und Situationsrollenspielen ging es dann ans Eingemachte und zum Szenarientraining in beengten Räumen. Hier wurde jeder Teilnehmer von zwei Angreifern richtig unter Druck gesetzt und es konnte sich jeder eindrucksvoll davon überzeugen, dass in einer solchen schwierigen Situation unter annäherndem Hochstress und der beengten Möglichkeiten eigentlich nur diese einfachen aber effektiven Techniken einsetzen lassen.

Hauptthema war dieses Mal Messertraining, das nach eingehender und auch wichtiger Theorie von Chris Schäfer in die eindrucksvolle Praxis überging. Hier wurden einige Abwehrmöglichkeiten aufzeigt, um einigermaßen aus diesen sehr lebensbedrohlichen Lagen heil rauszukommen. Die Teilnehmer mussten diese Techniken unter extremen Druck und Aggressivität eines mit einem Messer bewaffneten Angreifers umsetzen. Schnell wurde jedem klar, wie schwierig es ist, diese Angriffe überhaupt abzuwehren und lebend zu überstehen. Dem bisherig aufgebauten Streß noch nicht genug, setzte Chris im nächsten Szenario noch einen drauf und eine Gruppe der Abwehrenden musste Schnittverletzungen an beiden Armen simulieren: So wurden diese kurzerhand eingeölt. Das Öl sollte das austretende Blute simulieren und es den Verteidigern noch schwieriger machen. So hatte jeder damit Schwierigkeiten den waffenführenden Arm des Angreifers abzuwehren und zu fixieren. Eine weitere Steigerung erfolgte durch permanenten Wechsel der waffenführenden Hand. Am Ende des Nachmittags und dem abschließenden Feedback aller Teilnehmer stimmten alle überein, dass dies ein absolut top SV Seminar von Chris Schäfer war. Alle Teilnehmer konnten an diesem Nachmittag doch für sich wichtige Erkenntnisse und Eindrücke mit nach Hause nehmen für ihr zukünftiges Training. So wurde Chris kurzerhand vor Ort von teilnehmenden Trainern zu weiteren Seminareinheiten in ihre Heimatvereine eingeladen, um die Trainingseinheiten zu vertiefen bzw. ihr Wissen zu erweitern. 

Bericht: Klaus Thull